Körperpsychotherapie

Ulfried Geuter   

sich wahrnehmen und spüren    -    aufmerksam sein für die Gegenwart    -    erkunden, was sich zeigt, entdecken, was verborgen ist    -    Gefühle wecken und ausdrücken    -   Gefühle beruhigen und steuern, Erstarrung lösen    -    auf den Boden und in die Mitte kommen    -    Berührtsein durch Berührung, Halt finden    -    in der Darstellung Probleme deutlicher erleben    -    im Körper sein, im Handeln etwas ausprobieren     -     hinderliche Muster verändern, neue Möglichkeiten gewinnen
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Was ist Körperpsychotherapie?

Die Körperpsychotherapie ist eine der großen Richtungen der Psychotherapie, die in vielen Ländern verbreitet ist, in Deutschland insbesondere in psychotherapeutischen, psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken. Sie sieht den Menschen in seiner Ganzheit als körperlich-seelisches Wesen und bezieht in ihrer Praxis immer auch den Körper und das körperliche Erleben eines Menschen ein. Körperpsychotherapie lässt sich bei allen seelischen Leidenszuständen und Störungbildern anwenden. Sie verfügt über eine Vielfalt an Methoden und Techniken, die auf die Person und die Probleme und Bedürfnisse eines Menschen zugeschnitten werden. Körperpsychotherapie heißt nicht, die Psychotherapie nur um “Körperübungen” oder “Körperarbeit” zu ergänzen. Sie ist vielmehr eine Psychotherapie, in deren Mittelpunkt das verkörperte Selbsterleben und die verkörperte Begegnung zwischen Patient und Therapeut stehen. In der Körperpsychotherapie werden Körperwahrnehmung, Atmung, inneres Gewahrsein, Körperausdruck, Bewegung, Haltung, Berührung, körperliche Empfindungen und die körperliche Resonanz im Kontakt im therapeutischen Prozess genutzt. Je nach ihrer Herkunft und ihrer Richtung integrieren Körperpsychotherapeuten dabei tiefenpsychologische, psychoanalytische, verhaltenstherapeutische oder systemische Ansätze und Arbeitsweisen. Im Unterschied zu den Körpertherapien, in denen alleine mit körperlichen Techniken gearbeitet wird, ist die Körper-Psycho-Therapie eine Form der Psychotherapie, in der psychisches und körperliches Geschehen gleichermaßen als Aspekte des Lebens einer Person beachtet werden.

Die Körperpsychotherapie vereint in sich drei historische Traditionen, in denen sie ihren Ursprung hat:
- eine kritische Psychoanalyse,
- Methoden der Körperarbeit, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der Tradition von Leibpädagogik und Reformgymnastik und unter dem Einfluss des Ausdruckstanzes entstanden,
- die Humanistische Psychotherapie, in deren Kontext sich seit den 1960er Jahren einige neuere körperpsychotherapeutische Schulen herausbildeten.

In einer erlebenszentrierten Körperpsychotherapie ist das Erbe dieser drei Traditionen aufgehoben.

Erlebenszentrierte Körperpsychotherapie bedeutet, dass wir in der Therapie das Körpererleben als den Kern des Selbsterlebens betrachten. Menschen erfahren, wie es um sie steht, was etwas subjektiv für sie bedeutet und wie sie andere und die Welt erleben, wenn sie mitbekommen, wie sie reagieren und was sie innerlich empfinden. In der Körperpsychotherapie achten wir daher neben den Gedanken, Gefühlen und inneren Bildern immer auch auf die körperlichen Empfindungen und die motorischen Impulse, die ein Patient erlebt. Wir wenden uns dem Körpererleben zu, um Sinn zu erschließen, um das emotionale Leben zu erkunden und heilsam auf emotionales Leid einzuwirken.

Körperpsychotherapie ist eine Therapie in einer verkörperten Beziehung. Der Therapeut beachtet daher auch sein eigenes körperliches Erleben als Teil eines Geschehens im Miteinander der therapeutischen Situation. Menschen beziehen sich nicht nur mit Worten aufeinander, sondern immer auch von Körper zu Körper und gestalten darüber wechselseitig ihre Interaktion. In der Körperpsychotherapie ergibt sich daher vieles von dem, was in der Therapie geschieht, aus der Interaktion im Moment.

Der Ansatz der Körperpsychotherapie, psychisches und körperliches Geschehen als Aspekte der ganzen Person zu betrachten, erhält heutzutage vielfältige Unterstützung aus der wissenschaftlichen Theorie und Forschung. Nach der Theorie des Embodied Mind und des Enaktivismus beruht der Bezug des Menschen zur Welt auf körperlich-handelnder Erfahrung. Lebewesen erzeugen ihre Wahrnehmungen im verkörperten Handeln. Die Embodimentforschung zeigt, dass die Art und Weise, wie wir denken oder fühlen, eng mit unseren körperlichen Erfahrungen, Haltungen oder Bewegungen verbunden ist.

Ein Beispiel: Eine Depression zeichnet sich nicht nur durch trübe und negative Gedanken aus, sie ist ein zutiefst körperlich erlebter Zustand, ohne Kraft, Ausdauer, Antrieb und ohne emotionale Empfindung und Orientierung in der Welt zu sein. Sie ist insofern nicht nur eine psychische Störung, sondern eine Vitalstörung des ganzen Menschen. Experimentell lässt sich zeigen, dass eine gebeugte Körperhaltung eher depressive Gedanken befördert, eine aufrechte Haltung ihnen entgegenwirkt. In der therapeutischen Praxis lässt sich auf einen depressiven Zustand auch über Haltung und Bewegung einwirken.

Die empirische Säuglingsforschung zeigt, dass die Art und Weise, wie Menschen mit der Welt interagieren und wie sie die Welt erleben, grundlegend in der frühen, schon vorsprachlichen Interaktion erworben wird. Dabei entstehen affektmotorische Schemata, die im weiteren Leben das Erleben und Verhalten eines Menschen prägen. Die Basis für psychisches Leid im Erwachsenenalter wird oft schon in frühen Erfahrungen geschaffen.

In der Körperpsychotherapie können hinderliche Muster sowohl im Gespräch als auch in affektmotorischen Handlungsdialogen mit dem Therapeuten erkundet und verändert werden.

Die Traumaforschung hat in den letzten Jahren nachdrücklich gezeigt, dass auch spätere traumatische Erfahrungen sowohl in Gedanken und Gefühlen als auch in tief eingegrabenen körperlichen Zuständen und Reaktionsmustern ihre Spuren hinterlassen. Traumatische Erfahrungen stecken insofern immer im Körper. Um therapeutisch mit solchen Erfahrungen zu arbeiten, bedarf es daher auch auf der körperlichen Ebene einer Beruhigung und Begrenzung von innerer Erregung - oder einer Aktivierung, wenn ein Mensch sich nur noch leer und stumpf fühlt.

Forschungsergebnisse aus Hirnforschung, Neurowissenschaften oder Psychoneuroimmunologie zeigen zunehmend die enge Verzahnung zwischen körperlichen und psychischen Prozessen auf und belegen, dass es kein psychisches Leben ohne den Körper gibt. Körperpsychotherapie arbeitet allerdings in erster Linie mit dem subjektiv erlebten Körper und nicht mit naturwissenschaftlich und medizinisch erhobenen Daten über den Körper als Objekt.

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